Alarm auf 00 !
Ich arbeite für einen schweizer Konzern mit über 4000 Mitarbeiter. Davon ungefähr 1200 bei uns im Stammwerk in Heerbrugg. Es gibt für uns in Heerbrugg klar geregelte Arbeitsbestimmungen am jeweiligen Arbeitsplatz, wie halt überall. Unter anderem besteht folgende Bestimmung für Produktionsarbeitsplätze: “Wenn in einer Halle ein Mitarbeiter alleine arbeitet, ist er verpflichtet, einen speziellen Sensor, der beim Vorgesetzten erhältlich ist, am Körper zu tragen!” Dies deshalb, weil ein verunfallter Mitarbeiter auf fremde Hilfeleistung angewiesen wäre. Diese Anforderung, der bereit stehenden Rettungskräfte, wird durch den am Körper getragenen Sensor, ausgelöst. Wie genau wird der Sensor ausgelöst? In dem ein bestimmter Knopf betätigt wird oder wenn der Sensor eine bestimmte Neigung erfährt. Das heisst, wenn der Mitarbeiter einen Hirnschlag, Herzinfarkt dgl. erleidet und zu Boden stürzt, wird so automatisch Alarm ausgelöst und binnen Minuten treffen Helfer ein.
Und da gab es umlängst den komplizierten Fall: Es wurde am Samstag Abend alleine in Halle 4 gearbeitet. Der betroffene Mitarbeiter kannte die Bestimmung und hielt sich auch daran. Er trug also, während er arbeitete, den Sensor am Körper. Alles nach Vorschrift. Als er über 10 Stunden an seinem Arbeitsplatz war, ging er zwischendurch zur Toilette. Er setzte sich hin und erledigte Nummer 2. Dabei schlief er ein. Dadurch veränderte sich nun seine Körperhaltung von aufrecht bis schräg. Und zwar so schräg, dass der Sensor den Alarm auslöste. Noch bemerkte er Nichts. Er schlief ja, mittlerweile tief und fest. Die Rettungskräfte wiederum taten, was sie eben tun, wenn Alarm ausgelöst wird. Sie eilten so schnell sie konnten zum Unfallort, oder in dem Fall Örtchen. Zitat eines Helfers, der mir diese Geschichte erzählte:” Wir konnten den Sensor sehr gut lokalisieren und wussten beim Anrücken, dass sich die verunfallte Person auf dem Herren WC, nördlicher Abschnitt, Halle 4, befand. Nach ca. 4 Minuten Alarmauslösung, stand das erste Rescue Team vor der betreffenden WC-Türe um Sofort Hilfe einzuleiten! Wir hatten die Türe mit einem Stemmeisen schnell geöffnet! In dem Moment steht der vermeintlich Verunfallte mit runtergelassenere Hose vor uns!”
Der Irrtum hat sich anschliessend schnell aufgeklärt und Rescue I gab per Funk an Rescue II durch, dass es sich um einen Fehlalarm handelte und dass der Einsatz abgebrochen wurde. Zu diesem Fall fällt mir der alte Murphy ein: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ („Whatever can go wrong, will go wrong.“ )
Februar 17, 2008 um 8:37Uhr nachmittags
auf einem stillen Örtchen hätte ich eher eine Klingelhose erwartet…
Februar 17, 2008 um 9:26Uhr nachmittags
*gröhl* der kollege wird wohl noch jahrelang damit aufgezogen werden ^^
Februar 17, 2008 um 9:40Uhr nachmittags
Puh, die Geschichte ist wirklich filmreif!
Februar 18, 2008 um 4:46Uhr vormittags
Murphys allgegenwärtig
Februar 18, 2008 um 12:37Uhr nachmittags
@mm:
Was ist eine Klingelhose?
@crosa:
Zum Glück gibt’s in so einem grossen Unternehmen immer wieder neue Geschichten, sonst würde man die alten nie vergessen. Wär’ für den Betroffenen sicher schlimm……
@Chlorine:
Wenn man Alles wissen würde. Da wären sicher ein paar Drehbücher oder Blogs voll.
@Dandu:
Ja, das stimmt sicher.
Bei diesem speziellen Fall könnte man auch sagen: “Shit happens!”
Februar 18, 2008 um 2:18Uhr nachmittags
Hehe geniale Geschichte.
Februar 18, 2008 um 3:47Uhr nachmittags
Köstliche Geschichte! Auf was sich Murphy’s Law nicht alles anwenden lässt…
Februar 18, 2008 um 4:19Uhr nachmittags
@rogerrabbit:
Richtig unheimlich……
@Brownie:
Der gute Murphy, hätte wahrscheinlich bei dieser Geschichte selber geschmunzelt….
Februar 18, 2008 um 5:39Uhr nachmittags
Hrhr! Die Geschichte ist wirklich klasse.
BTW finde ich diese Sensoren sehr sinnvoll!
Februar 18, 2008 um 8:38Uhr nachmittags
@ Robonokel, ein kurzer Exkurs über die Klingelhose:
Eine Klingelhose ist eine Hose in der sich auch ein Sensor befindet, aber kein Waagerecht-Senkrecht-Sensor, sondern ein Nässesensor. Dieser Sensor in der Bux ist mit einem Alarm verbunden, der sich meistens auf der Schulter in Richtung des Ohrs befindet. Wofür das Ganze? Wenn ein Kind nun Probleme mit dem Pipi hat, d.h. es einfach verpasst, wenn es losgeht, so gibt es beim ersten Tropfen ein Signal, das Kind kann schnell Richtung Pipibox rennen und gewöhnt sich an das Pipigefühl. Jippie Pipi!
Februar 18, 2008 um 8:44Uhr nachmittags
@mm:
Danke für den Crashkurs!
@Gilly:
Ja diese Sensoren können Leben retten, wie gesagt ist das Tragen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Ich schätze mal, dass da schon Unfälle passiert sind, die das Einführen dieser Sensoren erst ausgelöst haben.
Februar 20, 2008 um 9:30Uhr nachmittags
Hihi, gute Geschichte! Fast unglaublich.
Februar 21, 2008 um 6:49Uhr vormittags
Ja so kanns gehen. *lach*
Aber besser so, als im Ernstfall keinen Sensor zu haben und damit auch keine Hilfe zu bekommen.
Februar 21, 2008 um 2:04Uhr nachmittags
@Anne:
Es war ja niemand richtig böse wegen der Sache, war ja ohne Absicht natürlich.
@glasok:
Die schönsten Geschichten schreibt das Leben…